Archiv Literatur

„Im Zweifel links. Vom aufhaltsamen Untergang des Abendlands.“

„Empört Euch!“ mit diesen Worten von Stéphane Hessel, Diplomat, Dichter und Widerstandskämpfer, steigt Jakob Augstein in sein Buch ein. Es nicht einfach ein Werk zum lesen. Der Journalist und Verleger Augstein hat zum Herbst 2019 eine Denkschrift, ein zum nachdenken anregendes und vielleicht auch streitbares Buch, auf dem Markt gebracht, erschienen im DVA Verlag. Jakob Augstein ergänzt gleich zum Anfang die Aufforderung „Empört Euch! mit „Kümmert Euch!“. Mit diesem provokantem Einstieg unterstreicht der Autor den Titel seines Werks „Im Zweifel links. Vom aufhaltsamen Untergang des Abendlands.“ In zwölf Kapiteln kann der Leser die von Augstein unter dem Motto „Im Zweifel links“ verfassten und beinahe ein Jahrzehnt auf SPIEGEL ONLINE veröffentlichten Kolumnen nachlesen.

 Die thematisch zusammengefassten Texte sind neu kommentiert. Eine Chronik unserer Zeit, die die drastischen Veränderungen innerhalb des politischen und gesellschaftlichen Klimas deutlich macht. Mit der Denkschrift zeigt der Journalist, wie sehr sich unser Land verändert hat. Jeder debattiert und diskutiert anders als noch vor wenigen Jahren. Immer mehr steckt der Sozialstaat in der Krise. Reichtum und Chancen sind ungleich verteilt, Fakenews und Vorurteile bestimmen den Alltag, das tägliche Leben. Aber der Autor spricht von einem „aufhaltsamen Untergang des Abendlands“.  Wenn es so ist, dass Kolumnen sich die Freiheit nehmen, „auch das zu sagen, was hätte sein können, was auf keinen Fall sein darf, und vor allem das, was sein soll.“, dann gibt es noch eine reelle und notwendige Chance der Aufforderung nachzukommen „Kümmert Euch!“.

Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken.
Rowolth Verlag

Im Frühjahr 2019 erschien im Rowolth Verlag die Denkschrift „Wir Untertanen. Wie wir unsere Freiheit aufgeben, ohne es zu merken.“, verfasst von Nikolaus Piper. Der langjährige Wirtschaftsredakteur und USA-Korrespondent der Süddeutschen Zeitung geht zunächst auf das „Feinbild“ Neoliberalismus ein. In Zeiten der Weltwirtschaftskrise 1929 bis 1933 zeigte sich bereits, dass die einen, Banker, Spekulanten und Investoren, sich auf Kosten der normalen Menschen bereichern. Die Finanzkrise von 2007 bis 2009 zeigte noch einmal mehr, dass der Neoliberalismus, die kapitalistische Wirtschaftsordnung, untragbar ist. Trotzdem hatte der Liberalismus im Nachkriegsdeutschland – im westlichen Teil – eine Chance. Soziale Marktwirtschaft, so das Ziel. Diese gegensätzliche Position nimmt der Autor auf und setzt sich im weiteren mit Themen wie Meinungsfreiheit, Markt und  Gerechtigkeit kritisch auseinander. Immer wieder hinterfragt er das, was wir heute in unserer Gesellschaft haben. Freiheit ist dabei in ein immens wichtiges Gut. „Freie Bürger brauchen öffentliche Räume.“ stellt Piper klar. Nur so ist Begegnung und ein Austausch möglich. Untertanen, das sind die, in der Abhängigkeit des Staates, die „Aufmarschplätze“, wie es der Autor nennt, benötigen. Hier nehmen sie vorformulierte Meinungen in Empfang und inszenieren den Herrscher – für die Populisten der Ort. In Zeiten des Internet gibt jeder freiwillig den öffentlichen Raum auf. Der Zugang zu Informationen ist grenzenlos, alles bequem. Ein Rückzug in Filterblasen mit auf einen selbst zugeschnittenen Nachrichten und Meinungen, die der eignen ähnlich sind, ist jederzeit und überall möglich. Fakten rücken immer mehr in den Hintergrund.
In den letzten Kapiteln „Identität“ und „Zukunft“ legt der Autor klare Ziele für eine mögliche liberale Erneuerung fest. Zugehörigkeit brauche Symbole, wie die Nationalfarben. Hier regt der Journalist an, dass der deutsche Staat sich auf seine Farben schwarz-rot-gold bekennen müsste. Ist es doch ein Symbol für gut 70 Jahre stabile Demokratie. Auch vom historischen Ursprung her sind es die Farben der Demokratie. Zum anderen ist es wichtig, sich aus den Filterblasen zu befreien. Nicht mehr einfach nur Desinteresse zeigen, wegsehen und schweigen. Hier aber sind auch die Medien gefragt. Eine Gesprächskultur ist zu schaffen, in der Menschen mit verschiedener Meinung miteinander diskutieren, sich austauschen. Ein Buch zu rechten Zeit, aufrüttelnd, anregend und fordernd zugleich.

Seit 2019 nun ist der Spionageroman im Programm des Rowolth Verlags, der sämtliche Werke Erika Manns publiziert.

„Der Abwechslung halber habe ich nunmehr begonnen, ein Kinderbuch abzufassen, ein politisches Kinderbuch..“ schreibt Erika Mann am 1. Mai 1942 an eine Freundin. Die Autorin lebt bereits gut sechs Jahre im Exil, überwiegend in den USA.
Erika Mann Schauspielerin und Journalistin, geboren als älteste Tochter von Katia und Thomas Mann. Eine Familie, die mit den Machtantritt der Nationalsozialisten ins Exil gehen musste. Als Reporterin berichtete Erika Mann aus dem Spanischen Bürgerkrieg und auch von zahlreichen Schauplätzen des II. Weltkriegs. Ihr Kampf gegen Hitler, gegen die unmenschliche Zerstörung. 1942 nun schrieb die Autorin an dem Kinderbuch „A Gang of Ten“, das Buch erschien in diesem Jahr in New York.

Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten.“

Wie nähert man sich Jemand, der unzählige Schriften hinterlassen hat? Allein 9 Bände Reisetagebücher, gebündelte Notizhefte mit 4.000 Seiten. Voller Text in deutsch, französisch, englisch und spanisch, zahlreiche Skizzen. Inzwischen sind dreiunddreißigtausend Seiten des Werks aus zwei Bibliotheken im Internet digital erfasst. Der Journalist Rüdiger Schaper widmete sich über mehrere Jahre dem Leben und Wirken von Alexander von Humboldt. Jemand, der viele Geheimnisse insich birgt, dessen Persönlichkeit viele verschiedene Seiten hat. Genau das war es, was den Autor reizte, sich Alexander von Humboldt zu nähern. Unter dem Titel „Alexander von Humboldt. Der Preuße und die neuen Welten.“ ist 2018 im Siedler Verlag eine umfassende Biografie erschienen.
Alexander von Humboldt, geboren 1769, war schon in frühester Kindheit wissbegierig die Natur zu erforschen. Mit dem Erbe von seiner Mutter startet er in jungen Jahren in die Welt. Allein von 1799 bis 1804 reist Humboldt und mit dem Arzt und Botaniker Aimé Bonpland durch Süd- und Mittelamerika: über die Kanarischen Inseln nach Venezuela und Kuba, durch die Anden an die peruanische Küste, nach Mexiko und mit Zwischenstopp in den USA zurück nach Europa. Immer wieder macht er sich auf. Als er mit 57 zurück nach Berlin kommt, eilte ihm sein Ruf durch seine umfangreichen Schriften voraus. Auch wenn der Universalgelehrte eigentlich pleite ist, sein Streben nach neuem Wissen ist sein Lebenselixier. In dem Jahr als Humboldt mit fast 90 Jahren stirbt, 1859, trägt Charles Darwin seine Gedanken weiter. Im November erscheint dessen Werk „Die Entstehung der Arten“. Darwin, der die südamerikanischen Reiseberichte von Humboldt mitnahm, als er 1831 zu seiner Reise in jungen Jahren aufbricht.
„Wenige wissen viel über Alexander von Humboldt – und viele wissen wenig.“, so der Autor in seiner Nachbemerkung. Das Buch ist ein erster Schritt sich in die Gedankenwelt von Alexander von Humboldt rein zu lesen.

Rezension: Sophie von Bechtolsheim

April 1944: „[…] wenn das, was im Gange ist – und es ist im Gang, - so weitergeht, kann niemand von uns mehr leben, und dann ist auch Familie sinnlos, ist Familie nicht mehr möglich, gibt es sie nicht mehr.“ Worte von Claus Schenk Graf von Stauffenberg. Der, der für das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verantwortlich sein soll. So schreiben es die Geschichtsbücher. Aber es war noch viel mehr – ein politischer Umsturz war lange geplant und nur wenn Hitler nicht mehr lebt, hätte das Militär um Stauffenberg die Macht übernehmen können. Es war nicht nur eine kleine Gruppe, wie Hitler hoffte, es war bereits eine große Anzahl von Personen – Angehörige des Militärs, aus der Kirche, die Hitlers Größenwahn beenden wollten. Zum 75. Jahrestag der Ereignisse um den 20. Juli 1944 erschien im Herder Verlag das Buch „Stauffenberg. Mein Großvater war kein Attentäter“. Geschrieben von der Enkelin Stauffenbergs Sophie von Bechtolsheim.

Gegen das Vergessen.

Den Schauspieler Peter Sodann treibt die Liebe zu Büchern an. Seit dem Ende der DDR sammelt er alles, was in der DDR  gedruckt wurde. Die Zeitspanne erstreckst sich über die gesamte Exitstenzzeit der DDR. Inzwischen hat Sodann über zwei Millionen Bücher gesammelt. Wöchentlich kommt eine Palette durch Schenkungen und Spenden dazu.

Nachdem ein Lager in Oschatz geräumt werden sollte, musste zwingen Ersatz her.

Peter Sodann stellt sich eine Niederlassung seiner Bibliothek in Staucha vor.

Etwa 300.000 Bücher werden hier in Magdeburg eingelagert. Insgesamt kommen 6-7 LKW - Ladungen an. Jede Tour mit etwa 20 Tonnen Bücher. Diese sollen erfasst werden und für jedermann zugänglich gemacht werden.


Lokale Unterstützung kommt von Leuten wie z.B. Dr. Karl Gerhold von der Getec und Matthias Behrens von der Elbterrassen GmbH.

 

Rezension Renate Wind und Michael Kuch: „Dietrich Bonhoeffer und Maria von Wedemeyer- die Geschichte einer Sehnsucht in Texten und Tönen“

„Es gibt ein erfülltes Leben trotz vieler unerfüllter Wünsche.“ - so der  Theologe Dietrich Bonhoeffer. Ein Zitat, dass sein eigenes Leben widerspiegelt.
Dietrich Bonhoeffer steht für den Widerstand eines Christen gegen das Hitler Regime. Einzelne Christen, wie Graf von Stauffenberg oder Henning von Tresckow, fanden sich in den letzten Jahren des Zweiten Weltkrieges immer mehr im Widerstand zusammen. Dietrich Bonhoeffer stellt sich schon früh gegen die Nationalsozialisten.

Eine deutsche Familie im langen 20. Jahrhundert.

Das Buch „Der Wintergarten. Eine deutsche Familie im langen 20. Jahrhundert.“, erschienen Anfang März im EUROPA Verlag, verbindet vier Generationen einer Familie. Zudem vereint es über 130 Jahre deutsche Geschichte. Der Literaturwissenschaftler Jan Konst konnte das private Archiv der Familie seiner Schwiegermutter nutzen. Somit ist es ein sehr persönliches Buch.


Hilde, geboren 1902 im sächsischen Meißen, durchlebt das 20. Jahrhundert mit all seinen Höhen und Tiefen. Der Vater von Hilde, Emil Grunewald, ist ein Kind der deutschen Kaiserzeit, 1871 geboren. Der Autor Jan Konst nimmt in dieser Ära den Faden der Familie Grunewald auf. Er lässt den Leser teilhaben, wie sich die Generation der 1870er Jahre in der Zeit der industriellen Revolution ihren bescheidenen Wohlstand aufbaut und beruflich ganz neue Wege geht. Sei es als Pädagoge oder als Unternehmer. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert gehen die Kinder der 1870er in ein Jahrhundert geprägt von gesellschaftlichen Umbrüchen, Diktaturen und Krieg.

Anhand von zahlreichen Dokumenten aus dem privaten Archiv zeichnet Jan Konst das Leben der Familie nach. Der Leser  erhält einen umfassenden Einblick in den Alltag im Deutschen Kaiserreich und später in die Zeit der Weimarer Republik. Für Hilde eine Zeit, in der sie ihre Kindheit erlebt und ihre ersten Schritte als Erwachsene geht. Ihre Familie gründet sie in einer Phase, die den Beginn der NS-Zeit einläutet. Für die nächste Generation, geboren in den 30-er Jahren, folgen sehr schwere Jahre.

Der Autor verwebt immer wieder, die verschiedenen Mitglieder der Familien, zeigt die unterschiedlichen Lebenswege auf. Immer geht es irgendwie weiter. Die Kinder des II. Weltkrieges können als junge Erwachsene erleben, wie ein neuer Staat, die DDR entsteht. Gerd und Brigitte stehen für diese symbolhaft. Aufgewachsen in einer Entfernung von gut 200 km, lernen sie sich in der noch jungen DDR kennen und gründen ihre Familie. Sie stehen für eine Zukunft ohne Krieg und ihre Kinder wachsen behütet auf. Die Generation der 1870er und derer, die um 1900 geboren sind, haben es umso schwerer ihren Platz in der Gesellschaft zu finden, wie der Autor anhand von persönlichen Dokumenten aufzeigt.


Mit seiner Familienchronik hat Jan Konst ein wichtiges Dokument deutscher Zeitgeschichte geschaffen. Ein Buch, dass einmal mehr zeigt, dass man nicht weiß, wohin einen die Lebensreise führt, „aber der Zeitpunkt des Aufbruchs erweist sich als entscheidend dafür, wo es einen hin verschlägt.“, wie der Autor treffend schreibt.

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