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DER TREUHANDKOMPLEX Legenden. Fakten. Emotionen
Verlag kursbuch.edition

Seit wenigen Jahren erst sind die Akten über die Treuhand im Bundesarchiv zugänglich. Für den langjährigen SPIEGEL-Redakteur Norbert F. Pötzl die Chance anhand präziser Recherche zum Thema Treuhand aufzuklären. Die vorliegende Studie „Der Treuhand-Komplex“, erschienen im September 2019 im Verlag kursbuch.edition, analysiert alle Legenden, die über dieses schwierige Thema kursieren und stellt Fakten dar. Die Akten zur Treuhand waren nach dem Bundesarchivgesetz gesperrt. Seit April 2016 arbeiten Archivare die Unterlagen auf, 45 km Schriftgut, 170.000 Akten. Anfang 2019 waren ca. 22.500 Akten archivarisch bearbeitet, weitere 62.500 Akten sind in Arbeit. Für den Autor eine Fundgrube – sämtliche Protokolle und Tischvorlagen der Vorstands- und Verwaltungsratssitzungen der Treuhand sowie mehrere Hundert Aktenordner konnte Norbert Pötzl analysieren. Zudem war es dem Journalisten wichtig, zahlreiche Akten mit Schriftwechseln, Berichten und Vertragsunterlagen über ausgewählte, meist umstrittene Vorgänge, auszuwerten. Zeitzeugengespräche ergänzten die gesammelten Daten. Erinnerungen sind so historischen Fakten gegenübergestellt.


Zunächst geht der Autor auf den Status quo zum Ende der DDR ein. Eine desolate wirtschaftliche Lage, die aber in der DDR durch verfälschte Berichterstattung verzerrt wahrgenommen wurde. Mehr noch, nach 1990 erfuhr die Öffentlichkeit von der wirklichen wirtschaftlichen Ausgangslage nur wenig. Eine offene Auseinandersetzung schien hier wohl nicht stattgefunden zu haben, wie Pötzl schreibt.
Zum anderen wirft der Autor einen Blick auf die derzeitige Situation, Jahrzehnte später. Er versucht zu ergründen, warum sich eine frustrierte Schicht an Bürgern herausgebildet hat und das trotz wirtschaftlicher Erfolge. Zum einen gab es eine in der DDR verschwiegene Neonazi Szene, zum anderen hat auch fehlendes Westfernsehen in einigen Regionen in der DDR zu einer Idealisierung der Bundesrepublik geführt. Die nüchterne Wahrheit nach 1990 als nun BRD-Bürger erwischte viele eiskalt. Beide Entwicklungen hatten und haben gravierende Folgen zunächst in den 1990er Jahren und für das aktuelle gesellschaftliche Leben.
Zum Schluss zieht der Journalist sein Fazit: die Geschichte der Treuhand ist neu zu erzählen: „ehrlich und wahrhaftig, differenziert und sachlich, ohne Übertreibungen und Pauschalisierungen.“, so Norbert Pötzl. Auch neue Einsichten seien zuzulassen. Das Buch „Der Treuhand-Komplex“ ist ein erster Schritt, das Kapitel neu aufzuschlagen. 

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