DDR-Geschichte

Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat am 30. Jahrestag des Mauerfalls zur Wertschätzung von Freiheit und Demokratie aufgerufen.

Bei den Feiern am ehemaligen deutsch-deutschen Grenzübergang Marienborn sagte der Regierungschef von Sachsen-Anhalt am Samstag: "Freiheit und Demokratie sind keine Selbstverständlichkeiten." Die Demokratie sei eine große zivilisatorische Errungenschaft der Geschichte. Und „Uns dessen stets bewusst zu sein, sind wir den Opfern von Mauer, Stacheldraht und Diktatur schuldig", so Haseloff weiter.
Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat anlässlich des 30. Jahrestags des Mauerfalls dazu aufgerufen, die errungene Freiheit zu verteidigen und Hass, Rassismus und Antisemitismus entschlossen entgegenzutreten.
Zugleich forderte sie die Menschen bei den zentralen Feierlichkeiten in Berlin am Samstag auf, sich nicht entmutigen zu lassen. "Keine Mauer, die Menschen ausgrenzt und Freiheit begrenzt, ist so hoch oder so breit, dass sie nicht doch durchbrochen werden kann", sagte Merkel in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen an der Bernauer Straße.

Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi

DDR Anfang der 1980er Jahre, Zeit des Wettrüstens, Zeit der Umweltverschmutzung und Zeit des politischen Aufbruchs der Opposition. In Dresden agiert ein Mail-Art-Netzwerk – Postkarten gedruckt von Jürgen Gottschalk, versendet in alle Welt – Kommunikation durch Kunst per Post. Für das Regime in der DDR eine Provokation. Schnell ist die Gruppe um den Grafiker Gottschalk im Visier der Stasi – der Operative Vorgang (OV) „Feind“. Jahrelange Bespitzelung, Berufsverbot, Ausreiseantrag, Haft und schließlich 1985 Ausreise mit Freikauf in die BRD – die Stationen eines zerstörten Lebens. Jürgen Gottschalk hat bereits 2006 im Rahmen der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seine Geschichte veröffentlicht. Ein erster Schritt sich der Vergangenheit zu stellen, das Erlebte zu verarbeiten.
Nun über 10 Jahre später ist es 2019 an der Zeit, das Buch „Druckstellen. Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi“ in überarbeiteter Form neu aufzulegen. Erschienen  in der Evangelischen Verlagsanstalt.
Es gab vieles, was noch nicht erzählt war, auch ein Rückblick war jetzt wichtig. Zum einen finden sich nun in dem Buch einige ausgewählte Mail-Art Abbildungen, um das, was für die Stasi eine Provokation war, visuell zu untermauern. Andererseits ist der Operative Vorgang (OV) „Feind“ nicht nur auf unzähligen Seiten der Stasi-Akte von Jürgen Gottschalk dokumentiert. Sogar eine Diplomarbeit hat Gottschalks „Stasi-Offizier“ über die „Zersetzung“ der der Mail-Art Künstler verfasst. Im aktuellen Buch findet sich Anhang die gesamte Diplomarbeit zum nachlesen. Auch wenn der Abdruck doch eine recht kleine Schrift hat. Mit dem 2017 von Dr. Nancy Aris, stellvertretende Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen, geführten Interview erfährt der Leser noch mehr über den Autor. Aber auch Jürgen Gottschalk selbst wirft noch einmal einen Blick zurück. Kritisch reflektiert er, die Zeit der politischen Verfolgung in der DDR und des Ankommens im Westen – seine Zeit und die der DDR-Bürger nach 1990. Jürgen Gottschalk resümiert hierzu: „Zwischen dem Wegducken vor der Verantwortung  für das eigene Tun und dem übereifrigen Anpassen an die neuen Verhältnisse polarisierte sich eine Gesellschaft, die nie eine Chance bekam, die eigenen Träume auszuprobieren...“ Und es ist dem Autor wichtig „dass gerade auch junge Leute mental da hinkommen, sich nicht alles bieten zu lassen, die Missstände der Zeit nicht als gottgegeben hinzunehmen, kein willenloser Mitläufer, sondern Sand im Getriebe zu sein...“ Mit dem Buch zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, die gewonnene Freiheit jeden Tag aufs Neue zu verteidigen.  

Die Streichung der Fristen zeigt, dass die Aufarbeitung von SED-Unrecht kein Verfallsdatum hat.

Vor wenigen Tagen hat der Deutsche Bundestag das Sechste Gesetz zur Verbesserung rehabilitierungsrechtlicher Vorschriften für Opfer der politischen Verfolgung in der DDR beschlossen. Insbesondere ging es um die Aufhebung der Fristen für Anträge auf Rehabilitation.

 

Am 17. Juni 1953 gingen in der DDR Hunderttausende auf die Straße. Sie forderten neben dem Rücktritt von SED-Chef Walter Ulbricht u.a. freie Wahlen und die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands.
Die Staatsmacht reagiert mit Gewalt. Auch in Magdeburg schlug die sowjetische Besatzungsmacht den Volksaufstand mit Waffengewalt nieder. Tote und Verletzte waren zu beklagen.

Noch bis zum 2. Juli 2019 präsentiert die Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg in ihren Räumen die Sonderausstellung „Magdeburg 17. Juni 1953“.
Die von der Gedenkstätte im vorigen Jahr mit finanzieller Unterstützung der Landeshauptstadt Magdeburg neu erarbeitete Wanderausstellung vermittelt Informationen über die politische und gesellschaftliche Situation Anfang der 1950er Jahre in der DDR die am 17. Juni 1953 in landesweiten Aufständen, Streiks und Demonstrationen mündeten.

Ausstellung der Konrad Adenauer Stiftung

Mut, Kerzen und Gebete waren im Sommer und Herbst 1989 die Symbole, mit  denen tausende DDR-Bürger auf die Straße gingen. Sie kämpften für  Reisefreiheit, Frieden, Freiheit, Demokratie und eine freie
Presse. In Städten wie Ost-Berlin, Leipzig, Dresden, Erfurt reihten sich jede Woche mehr Bürger in die Demonstrationszüge ein.
Sie brachten ein über 40 Jahre gewachsenes Einparteiensystem ins Wanken  und am Ende zum Einsturz.
Die Bilder begeisterter Menschen in Ost und West gingen 1989 um die Welt.

Eine vom Künstler Gino Kuhn erstellte Ausstellung will an die Ereignisse von vor 30 Jahren erinneren.

Erinnerungen an Ibrahim Böhme

Die Autorin Tatjana Böhme-Mehner öffnet mit ihrem Buch „Warten auf den Vater. Erinnerungen an Ibrahim Böhme“ ein Kapitel vielleicht längst vergessener deutsch-deutscher Geschichte.


Geboren 1976 in der DDR-Provinz, in einem Land, „das es 13 Jahre später nicht mehr geben sollte.“, wie Tatjana Böhme-Mehner schreibt. Es ist aber auch das Jahr der Biermann-Ausbürgerung und ein Jahr später verlässt der systemkritische Schriftsteller Reiner Kunze die DDR. All das prägt die Kindheit der Autorin und mittendrin ist ihr Vater Manfred, später Ibrahim, Böhme. Auch einer, der zu den Anhängern Biermanns und Kunzes gehört, so glauben viele in der Stadt Greiz. Die Autorin versucht sich auf sensible Art und Weise ihrem Vater zu nähern. Aber es ist immer wieder das Warten auf den Vater oder das „Etwas-herbei-Warten“, wie Tatjana Böhme-Mehner resümiert, dass sich wie ein roter Faden durch ihre Kindheit zieht. Ihr Vater ist mal da, mal nicht. Aber umso intensiver erlebt die Tochter die Momente, als ihr Vater sie von der Schule abholt oder wegen Krankheit länger zu Hause bleibt als sonst.


Als die Mauer 1989 fällt, steht ihr Vater als Ibrahim Böhme plötzlich im politischen Mittelpunkt der Geschehnisse in der untergehenden DDR. Für die Autorin, damals erst 13 Jahre alt, eine völlig neue Situation. Als ihr Vater als Stasi Spitzel enttarnt wird, sind die Geschehnisse etwas, was sich nicht einfach so verarbeiten lässt. Die Tochter versucht sich in den 1990er Jahren ihrem Vater, der zurückgezogen lebt, wieder zu nähern. „Ein kleines Ende war seither jede unserer Begegnungen gewesen. Im freien Fall von der Lichtgestalt zum enttarnten Spitzel – ich war beiden gegenüber skeptisch.“ schreibt die Autorin in ihrem Buch dazu. Als Ibrahim Böhme Ende 1999 stirbt, hinterlässt er bei seiner Tochter so viele offene Fragen. Wer war dieser Mensch, fragt sie sich „Manfred oder Ibrahim? Dissident oder gemeiner Stasi-Spitzel? Weltflüchter oder Realist? Arbeiter oder Intellektueller? Tragischer Held oder Clown? Ich bin mir nicht sicher.“


Das Buch, erschienen im EUROPA Verlag, reflektiert den Alltag in der DDR. Es zeigt Lebenswege auf, in denen schnell persönliche Grenzen überschritten werden konnten. Immer war das Streben nach Selbstverwirklichung eine Gratwanderung, für die, die den Weg gingen, aber auch für ihr persönliches Umfeld.

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