Magazin

Autobiographie Thomas Gottschalk „Herbstblond“

Auch in der DDR erregte Thomas Gottschalk mit seiner frechen und überaus extravaganten Art Aufmerksamkeit als er als Moderator die Fernsehwelt des „Westfernsehens“ aufmischte. So erlebten wir Jugendliche der 1980er Jahre mit Gottschalk jemanden, der in seiner Sendung „Na sowas!“ schrill und bunt daher kam. Wer aber ist Thomas Gottschalk? Wer das wirklich wissen will, dem sei seine Autobiografie „Herbstblond“ wärmstens empfohlen. Sympathisch war mir von Anfang an, dass alle Titel der Kapitel musikalisch daher kommen: „Radio Gaga“ (Queen), „Old Man“ (Neil Young) oder „Dirty Laundry“ (Don Henley) ist zu lesen.
Der erste Teil der Biografie reflektiert die Zeit in seiner Heimat. Geboren 1950 in der oberfränkischen Kleinstadt Kulmbach, scheint das Leben nicht viel zu bieten. Schon früh verlor er seinen Vater, als gläubiger Christ, konnte er nicht begreifen, warum Gott ihm den Vater nahm. Diese sehr persönlichen Zeilen zeigen eine ganz andere Facette von Thomas Gottschalk. Zum Ende seines Buchs nimmt er dieses mit den Kapiteln Glaube, Hoffnung und Liebe nochmal auf. So ist das Buch zum einen ein sich innehalten und zu anderen eine Hommage an die Welt der Medien, die Gottschalk durchlebt hat.
Ausgestattet mit einer „literarischen Grundausstattung made in Kulmbach“, wie er es nennt, sieht sich Gottschalk als „Mann der Mitte“, wobei er Mörike zitiert. Es sind eben nicht Werke von Dostojewski oder Nietzsche, die er liest. Aber für ein Studium der Germanistik und Neuere Geschichte in München reichte es. Schnell landete Gottschalk als Moderator beim Bayrischen Rundfunk und die turbulente Geschichte nahm seinen Lauf.
Gottschalk resümiert „Zeitlebens habe ich ausschließlich davon existiert, anderen Menschen die schlechte Laune zu vertreiben, und zwar ungeachtet meiner eigenen.“ Aber seine, wie Gottschalk es nennt, „positive Aufgeräumtheit“ ist sein Betriebskapital, das ihn zu dem gemacht hat, was er ist: Der bekannteste Fernsehmoderator Deutschlands.
Für sein Lebenswerk erhielt Thomas Gottschalk im Januar 2018 den „Ehrenpreis der Stifter des Deutschen Fernsehpreises“.

 

Australien meets Nashville

Jackie Bristow Shot of Gold. Das Album flatterte unvermittelt auf meinen Schreibtisch und wanderte sogleich in den Player. Empfangen wird man gleich mit dem Song Wistle Blowin'. Die Begleitung (Gitarre und Banjo) leicht und sparsam, die Melodie recht getragen. Der Text tiefsinnig. Eine gute Einstimmung auf die nächsten 9 Songs. Ja, man kann die CD auch nebenbei hören. Aber es lohnt sich wirklich, sich auf die Couch zusetzen und genau zu zuhören. Es ist keine Massenware. Das Album erscheint am 05.10.2018.

 

Jackie Bristows Musik ist gleichermaßen innig und raffiniert, kombiniert subtile, aber wunderschöne Melodien und Hooks, die den Zuhörer hypnotisieren, völlige Hingabe verlangen und dann mit dem Rückgrat eines echten Freundes bleiben. In Neuseeland geboren, aber dann mit Gitarre, Koffer und Liedern nach Australien und jetzt in die Vereinigten Staaten von Amerika verpflanzt, reist Jackie mit Leichtigkeit, hinterlässt aber kräftige Spuren. Jackie hatte die Ehre, die Vorgruppe für viele ihrer musikalischen Helden zu sein. Die Eröffnung für Bonnie Raitt in Neuseeland auf ihrer “Slipstream” Tour 2013 war ein wahr gewordener Traum. Jackie wurde 2017 eingeladen, um Bonnie Raitt auf ihrer “Dig in Deep” Tour zu begleiten. Jackie eröffnete für Foreigner 2017, Tommy
Emmanuel und Steve Miller Band in den USA 2016. Jackie war auch die Vorgruppe für viele andere bekannte Namen im Laufe der Jahre: Marc John, Oates, John Waite, Betty Lavette, BJ Thomas, Joe Ely, Marcia Ball, Charlie Robinson, Rick Springfield, Bob Schneider, Jimmy Lafave , Euge Groove, Ruthie Foster, Howard Jones, Herbert Grönemeyer, Phoebe Snow, Art Garfunkel, Daniel Lanois, Madeline Peryoux, Jimmy Webb, Paul Williams und Shawn Mullins u.a.


Jackies Live-Auftritte begeistern das Publikum. Jackies Songs wurden wiederholt in australischen und neuseeländischen Film- und Fernsehshows wie “Go Girls”, “Das geheime Leben von uns”, “Heim und Auswärts”, “Ungeheuerliches Glück”, “Shortland Street” und “Go Big verwendet. Ihr Lied “This is Australia” gewann den landesweiten Wettbewerb von Tourism Australia und wurde drei Jahre lang in seinen weltweiten Werbekampagnen gezeigt. Songs von den Alben “Crazy Love” und “Freedom” wurden an 7.000 Starbucks-Cafés in den USA in Rotation versetzt. Im Jahr 2014 wurde Jackie als New Southern Music Botschafter des Jahres ausgezeichnet. Jackie hat sich als Künstlerin erwiesen, die keine Anzeichen von Stillstand zeigt. 2017 zog Jackie in das Musikmekka Nashville, Tennessee, wo sie in Zusammenarbeit mit den Produzenten Viktor Krauss und Rick Price mit der Aufnahme ihres fünften Albums begann, das 2019 fertig sein wird. “Shot of Gold” kam in ihrem Heimatland Neuseeland in die Charts und erhielt Kritikerlob.

 

Konzerttip: 25.11.18 Halberstadt, Papermoon

Phil Collins startet noch einmal durch

Nein, es nicht Zeit das Leben abzuschließen, sagt sich Phil Collins, und startet mit seiner Familie und mit seiner Band neu durch. Als Vater von 5 Kindern gibt es einiges zu ordnen, auch mit seinen Lebenspartnerinnen. Mit seiner Autobiografie „Da kommt noch was. Not dead yet“,  Ende 2016 erschienen, reflektiert Phil Collins sein Leben radikal. Der einstige Philip aus London klagt den Musiker und Familienvater Phil wegen seines Lebens an. Sehr authentisch, manchmal wirklich schockierend und für selbst für den Leser aufwühlend. Es ist aber auch eine Zeitreise durch die Musikgeschichte seit der frühen Kindheit von Collins in England und später Amerika. Geboren im Januar 1951 als Sohn eines Versicherungsvertreters, entdeckt er schon früh seine Liebe zur Musik. Zeit seines Lebens ist er Schlagzeuger und später Sänger und opfert dafür sogar seine Familien. Nach gut 60 Jahren sogar seine Gesundheit, was Collins fast zerbrechen lässt. Danke für dieses Buch, für diese Offenheit! Ende 2016 landete das Buch zur Rezension auf meinen Schreibtisch. 2017 war ein bewegtes Jahr, Bücher waren in die zweite Reihe verbannt. Jetzt endlich hatte ich die Muße zum lesen und das warten hat sich gelohnt.

 

Touristisches Highlight und hohe Ingieneurskunst

1938 wurde mit der Einweihung des Schiffshebewerks eine Wasserstraßenverbindung vom Rhein zur Elbe geschaffen. Schon zum Baubeginn in den 1930er Jahren war auch eine Trogbrücke über die Elbe geplant. Die Trogbrücke entstand erst im Zuge der Verkehrsprojekte Deutsche Einheit. sie ist Teil des Wasserstraßenkreuzes  Magdeburg.

Ursprünglich war das Schiffshebewerk daher nur als Anbindung der Elbe und Saale an den Mittellandkanal gedacht. Weil diese Trogbrücke nicht gebaut wurde, erhielt das Schiffshebewerk eine deutlich größere Bedeutung. Der gesamte Schiffsverkehr aus den Industriezentren Westeuropas nach West-Berlin passierte das Schiffshebewerk.
Ende 2006 schloß man das Hebewerk weil man im Parallelbetrieb mit der neuen schleuse keinen wirtschaftlichen Sinn sah. Es gab Pläne, die Schwimmerschächte zuzubetonieren und somit eine Wiederinbetriebnahme unmöglich zu machen. Am 24. August 2013 wurde das Schiffshebewerk wieder in Betrieb genommen. Heute ist es saisonal geöffnet.

180 Jahre Zuckerproduktion in der Magdeburger Börde - neues Buch der Journalistin Salka Schallenberg lädt zu einer kulinarischen Zeitreise ein



Etwa 20 Kilometer südwestlich von Magdeburg liegt das Zuckerdorf  Klein Wanzleben. Hier begann 1838 die Erfolgsgeschichte der Zuckerproduktion, die bis heute anhält. Bauern, Handwerker und Gastwirte gründeten die Zuckerfabrik Peter Wallstab & Co., im Volksmund „Rübenquetsche“ genannt.

Seit 2006 gibt es die „Süße Tour“ als Zucker- und Rübenroute durch die Region Elbe-Börde- Heide, deren landwirtschaftliche Tradition an verschiedenen Stationen erlebbar gemacht wird. So erzählen kleine Museen die Geschichte des Zuckerrübenanbaus und Gaststätten sowie Biobauernhöfe bieten regionaltypische Küche und einheimische Produkte an. Neben zahlreichen charakteristischen Rezepten stellt das Buch „Lieblingsrezepte aus der Magdeburger Börde“ eine Auswahl der Angebote der Süßen Tour vor und lädt dazu ein, diese einzigartige Region zu entdecken.

Die Autorin hat über 60 abwechslungsreiche Kochideen aus der Gegend rund um Magdeburg, Wolmirstedt und Köthen gesammelt. Reich illustrierte Lieblingsrezepte, einfach zubereitet mit heimischen Produkten und natürlichen Zutaten, machen Lust aufs Kochen.

Groove, Sound, Magie, Inspiration, hohes Handwerk


Drei Tage volle Drönung. Die Hütte ausverkauft. Wirklich spannend. Das Pulbikum gierig nach Gitarrenmusik.
Den Anfang machten Hands on Strings (Thomas Fellow/Stephan Bormann).  Vom ersten Ton an absolute High Voltage. Was der Thomas so mit seiner rechten Hand spielt! Fast etwas unheimlich. Eine Mischung aus klassischer Zupftechnik, Hammerings und tausend anderen Dingen. Dazu immer wieder coole Flagolett-Einwürfe. Stephan kam mit einem Intrument nicht aus. Am meisten bleibt mir das Stück Conga im Kopf, vielleicht weil es in den Achzigern ein echter Chartbraker war. Auf der CD Prometheus wird dieses Stück von einer Mandoline gespielt. Hier hatte Stephan diese ersetzt und das Ganze mit der Ukulele zelebriert. Das Stück vom Popsound befreit. So klingen gute Popsongs bei den Masters of Guitar.

Das Rafael Cortes Trio bestritt den zweiten Teil des Abends. Flamenco in Reinstform. Mein absoluter Favorit des Abends: Eine oberamtliche Interpretation des Chick Corea-Klassikers Spain.
So energiegeladen und mit einem fantastischen Intro. Chick Corea wäre vielleicht ein wenig neidisch. Natürlich durfte Mediterranean Sundance nicht fehlen.

Am zweiten Tag dann zuerst Sönke Meinen, Absolvent der Dresdner Musikhochschule. Der Gitarrist hat eine wirklich freie und unbändige Spielweise. Ich habe so etwas vorher noch nicht gehört. Das Setup bestand aus eigenen Kompositionen, alle sehr dicht, trotzdem transparent. Das Stück Homeland sprieb Sönke auf dem Weg von Dresden nach Emden, wo er zu hause ist. Er hat es seinen Eltern gewidmet. Otto, der berühmteste Friesenjung unserer Zeit soll gesagt haben, daß Sönke das beste ist, was es unter der ostfriesischen Sonne gibt.

Dann kam Jule Malischke auf die Bühne. Singer/Songrwiter? Das ist zu wenig. Zu dem wunderbaren Gitarrensound gesellte sich eine angenehme Stimme. Eher eine siebente Saite der Gitarre. Obwohl – umgehrt benötigt ihr Gesang eigentlich keine Ergänzung. Jule hat erst die Meisterklasse im Fach Gitarre an der Musikhochschule Dresden mit Bravour abgeschlossen. Das hört man auch.

Den Abend beschloss Shane Hennessy. Soundmaster of Fingerpicking. Spaß und Spielfreude vom ersten Ton an. Er überraschte das eine und andere mal. Sein Stück Marakesch brachte auf sehr schöne Weise die Magie dieses Ortes rüber. Besonders beeindruckt war ich von seinem Neil Rodgers-Medley. Mit David Bowies Lets Dance ging dann dieses Stück zu Ende.
Das Absolute Highlight des Abends: Jule, Shane, Sönke und Stephan spielten Stevie Wonders Sir Duke. Im wahrsten Sinne des Wortes unerhört und einmalig.

Am Sonntag stand Adam Ben Ezra auf der Bühne. Der Mann am fünfseitigen Kontrabass aus Tel Aviv. Sphärische Sounds, Groove, Samples, Worldmusic. Ein Zauberer. Eine One Man Band. Adam verschohnte sein Publikum mit allzu viel Gerede. Statt dessen gab es satt auf die Ohren. Dann bot der Saitenkünstler noch eine Homage an den großen Paco de Lucia. Wahnsinn. Den Bass hat Adam bearbeitet, als ob er die Gitarre erfunden hat. Aber halt, da wäre noch der Klavierpart und  die Klarinette. In seinen Soundteppich fügte sich hier und da seine Stimme. Etwa eine Stunde lang hielt er alle in Atem.

Das Publikum foderte schonungslos Zugaben und belohnte alle Künstler mit Standing Ovations.
Ein sehr gelunges Festival, das nach Wiederholung schreit. Übrigens hat der anwesende Minister für Kultur vor dem Publikum für eine weitere Auflage geworben.

 

 
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