Aktivitäten/Ausstellungen

Unbekannte Werkkarteien von Zille und Baluschek entdeckt

Zur Gründung der Deutschen Akademie der Künste in Ost-Berlin im Jahr 1950 gab es 22 Mitglieder darunter Otto Nagel. In der Sektion Bildende Kunst der DAdK wirkte Otto Nagel jahrelang als Sekretär. Hier prägte er deren künstlerisches Profil, jenseits einer Kunst, die der Staatsidee dient. Nagels Handschrift innerhalb der Organisation von Ausstellungen, erst recht in seiner Zeit als Vizepräsident der Akademie von 1953 bis 1956, ist deutlich erkennbar.

Auswahl der Ausstellungen: 1951 Käthe Kollwitz, 1951/52 Ernst Barlach, 1954 Otto Nagel (Berliner Bilder), 1955 Hans Baluschek und Heinrich Vogeler, 1956 Heinrich Ehmsen, 1956/57 Otto Dix, 1957 John Heartfield, 1957 Frans Masereel, 1957/58 Heinrich Zille, 1960 Otto Pankok

Als Kulturpolitiker war es Nagel wichtig, über das Werk von Heinrich Zille, Käthe Kollwitz und auch Hans Baluschek zu puublizieren. Das Buch über Heinrich Zille erschien als Veröffentlichung der Deutschen Akademie d. Künste erstamals 1955. Das zu Hans Baluschek blieb nur als Manuskript, quasi druckfertig, im Nachlass erhalten. Umso interessanter ist die Entdeckung der Akademie der Künste zum Werk von Heinrich Zille und Hans Baluschek, die sich in das Wirken Nagels einreiht.

Akademie der Künste 13. April 2022: „Das kleine alltägliche Erlebnis“ – Unbekannte Werkkarteien von Heinrich Zille und Hans Baluschek entdeckt

Karteien genießen in Archiven oft ein Schattendasein, insbesondere wenn sie nicht mehr in der Benutzung sind, ihr Entstehungszweck schlecht dokumentiert ist und sie an versteckter Stelle aufbewahrt werden. Im Depot der Kunstsammlung wurden vor kurzem zwei umfangreiche Werkkarteien der Künstler Hans Baluschek und Heinrich Zille wiederentdeckt, die wichtige Provenienzangaben sowie ein unbekanntes Zille-Autograf enthalten. Diese bedeutenden Quellen zur Provenienzforschung werden künftig vom Historischen Archiv verwaltet und sind über die Archivdatenbank zugänglich.

Zur Eröffnung der Heinrich-Zille-Ausstellung am 10. Januar 1958 zum 100. Geburtstags des Künstlers sprach der Präsident der Deutschen Akademie der Künste (DAK) Otto Nagel davon, dass Zille in seinen Werken „das kleine alltägliche Erlebnis“ darstellt, „das ganz und gar nicht Besondere“.

Die Suche nach Quellen ist in der Provenienzforschung alltäglich. Auch, dass man dafür an entlegenen Orten recherchieren muss, ist ganz und gar nicht besonders; dass man dabei jedoch Dinge entdeckt, die man gar nicht gesucht hat, dagegen schon. Im Kellerdepot der akademieeigenen Kunstsammlung steht in einer Nische ein unscheinbarer grauer Schrank. Darin enthalten ist eine Fotokartei. Nach dem Öffnen kommen jedoch auch zwei umfangreiche Konvolute von hunderten, handlichen Karteikarten zu Werken von Hans Baluschek (1870–1935) und Heinrich Zille (1858–1929) zum Vorschein.Neben den Werkdaten sind in der Zille-Kartei Besitznachweise für öffentliche Einrichtungen, wie die Deutsche Akademie der Künste, die Nationalgalerie oder das Märkische Museum enthalten; aber auch Privatpersonen, wie z. B. Gerhard Flügge und Margarete Köhler-Zille, die 1950 zusammen in Demmin eine Heinrich-Zille-Gedenkstätte einrichteten. Bereits am 1. Oktober 1953 hatte die Sektion Bildende Kunst der Deutsche Akademie der Künste beschlossen, u.a. von Baluschek und Zille Œuvre-Verzeichnisse anfertigen zu lassen. Recherchen zeigen nun, dass die Karteikarten in diesem Zusammenhang angelegt wurden. Im Februar 1955 vergab die Akademie einen Forschungsauftrag zur Bestimmung aller Werke der beiden Künstler mitsamt der Eigentumsverhältnisse.

Die Kartei enthält auch eine Anzahl von Bildpostkarten mit Motiven von Heinrich Zille. Eine dieser Karten sticht jedoch heraus. Sie ist mit einem Gruß auf der Rückseite beschriftet an den „‘Jungmann‘ Ernst Drewin zur freundlichen Erinnerung an H. Zille [...]“. Ein Autograf inmitten von Karteikarten, datiert auf den 30. Juni 1918. Ein besonderer Fund, der eher neue Fragen aufwirft und zeigt, wie relevant die Herkunftsermittlung von Quellen ist. Aber doch ein alltäglicher Vorgang in der Provenienzforschung, die sich bemüht, aus gezielt gesuchten und zufällig gefundenen Mosaiksteinen ein möglichst geschlossenes Herkunftsbild zusammenzusetzen.

Die Akademie der Künste sieht die Provenienzforschung als eine Grundsatzaufgabe ihres Archivs an und präsentiert am Pariser Platz ab dem 28. Oktober 2022 Ergebnisse und spannende Fälle aus den verschiedenen Bereichen dieser Forschung in der Ausstellung AdK „SPURENSICHERUNG. Die Geschichte(n) hinter den Werken“.

weitere Informationen mit Links zu den Archivalien gibt es unter: https://www.adk.de/de/news/?we_objectID=63952