Kommentar

„Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: ICH muss etwas tun!“,

so der Widerstandskämpfer Hans Scholl. Heute, 75 Jahre nach dessen Ermordung tauchen Worte wie Widerstand und das Symbol die weiße Rose wieder auf, mißbraucht von der AfD bei sogenannten Trauermärschen. Aber nicht Antifaschisten, wie einst die Scholl-Geschwister, sind unter den Teilnehmern. Nein, es sind Menschen, die meinen, dass in einer Demokratie das Recht auf freie Meinungsäußerung bis zu MordAufrufen gehen kann.
Da ruft am Montag in Köthen eine junge Frau in Richtung Journalisten und Gegendemonstranten: „Die da hinten werden als Erstes brennen. BRENNEN. Und ihr habt mich richtig verstanden." Ihre Mitsympathisanten jubeln. „Deutschland den Deutschen“ rufen zahlreiche Demonstranten. Wenn Deutschland nicht den Deutschen allein gehöre, verliere man sein Haus und Hof, seine Arbeit, seinen Lohn – viel schlimmer wir verlieren unser Land war  zu hören. So schrie ein Redner „Es ist Krieg, es ist ein Rassenkrieg gegen das Deutsche Volk“ - das sind Worte, gerufen nicht in der Zeit des Nationalsozialismus, nein, gerufen dieser Tage 2018 in Köthen und  wieder Jubelnde Demonstranten.

Erinnert mich an die Worte: Wollt Ihr den totalen Krieg? Es folgten schwarze Jahre für Deutschland: Ausgrenzung, Ermordung, Krieg, Zerstörung...
Und nein, es gehört nicht zur Demokratie, dass wir diese Worte und Rufe auf der Straße zulassen.
In der Weimarer Republik verharrten Militaristen und Kriegstreiber als Erben des Kaiserreichs insbesondere innerhalb der Verwaltung und des Militärs. Die Demokraten haben das verkannt.  
Die Folgen: Militärputsch bzw. Staatsstreich, so zum Beispiel im März 1920.  Und ab 1933 wehte endgültig ein ganz anderer Wind durch Deutschlands Straßen.
Auch ich und meine Kinder haben einen Migrationshintergrund, wie es so schön heißt. Die Hugenotten in meiner Familie fanden in Berlin eine Heimat. Auch meine russische Großmutter fand nach der Oktoberrevolution Anfang der 1920er Jahre in Deutschland eine neue Heimat.
Und nun lebe ich in einer Zeit, in der die Werte und Ideale meines Großvaters aktueller  denn je sind:
Mit vielen persönlichen Opfern gegen den Krieg und für eine demokratische Gesellsschaft einzutreten.
Als Kriegsdienstverweigerer im I.Weltkrieg inhaftiert. Als Kommunist Unterstützer der Novemberrevolution. In der NS-Zeit als Künstler Malverbot und die Kunst als entartet eingestuft. Als Antifaschist verfolgt und ins KZ verschleppt.
Das wollen wir nicht wieder haben.
Von daher ist es an der Zeit und es ist an uns, daß jeder, der die Demokratie schätzt, etwas dafür tut.

Kommentar 06.02.18
Aus der Bahn geworfen… angekommen im neuen Jahr 2018

Aus der Bahn geworfen trudelten wir in die letzten Monate des Jahres 2017. Voller Energie, doch dann ausgebremst. Mal schnell den Sender technisch umstellen, großer Umzug. Und dann noch von heut auf morgen auf HD umstellen. Gut das, der langjährige Sponsor des Senders zum Jahresstart 2018 die nötige Sicherheit gibt. Doch dann angekommen im Januar 2018, alles auf Anfang, keine finanzielle Unterstützung wie sonst, Aufträge noch nicht bestätigt. Aufgerappelt „Und sie versuchen’s immer wieder. Sorry, das bin ich nicht, nicht in diesem Leben. Nein, nein, nein. Und ich werde mich nicht ändern, werd kein anderer mehr sein. Ich habe tausend Pläne, der von euch ist nicht dabei.“ - so Udo Lindenberg treffend in seinem Lied „Plan B“. Jetzt angekommen im Jahr 2018: Start mit einer neuen Webseite, kulturmd als Magazin. Regionale Bücher, Konzerte, Reportagen und Interviews – das ist unser Programm für die kommenden Monate. „Wir sind ein eingeschworenes Team, darauf kommt’s an. Wir gehen Wege, die kein andrer gehen kann wie’n Pionier, wie’n Astronaut. Wir gehen dahin, wohin sich sonst kein andrer traut. So wie der Sturm, so wie die Flut nichts hält uns auf, wir sind ein Blut.“
einblenden: Stärker als die Zeit, Udo Lindenberg. Salka Schallenberg

Kommentar vom 17.04.18

Glaubst Du, die Russen wollen Krieg, wenn sie ihre Kinder lieben? Fragte sich der Sänger Sting in den 1980er Jahren anlässlich der atomaren Bedrohung. Und Udo Linderberg quält bis heute die Frage: Wozu sind Kriege da? Herbert Grönemeyer forderte in der selben Zeit: Kinder an die Macht. Ein Mensch braucht ein Dach über dem Kopf, Essen, Trinken und Wärme. Zum Familienglück gehört Kinderlachen. Was er nicht braucht ist Krieg. Als ich damals Ende 1980er zu den Grenztruppen eingezogen wurde, konnte ich durch geschicktes Verhandeln das Tragen einer Waffe verhindern. Zum Ende der DDR wollte ich nur noch weg von der Truppe, habe auch einen Zivildienstantrag gestellt. Nach der Vereinigung Deutschlands, pünktlich zum Beginn des Irakkrieges tauchte dieser wieder auf im Rahmen einer Mobilmachung für die Bundeswehr. Jetzt bin ich anerkannter Kriegsdienstverweigerer. Da bin ich auch stolz drauf. Nein, ich brauche und will keinen Krieg. Meine Waffe ist die Musik. Unsere Kinder sind jetzt junge Erwachsene. Alle Eltern wünschen sich, das die Kinder erfolgreich ins Leben starten können. Sie sollen in die Welt reisen und wieder nach Hause kommen und glücklich sein „Keine Mutter will ihre Kinder verliern und keine Frau ihren Mann“ Da sitzt nun im weißen Haus ein unberechenbarer Greis. In Russland rasseln die Säbel. Und in Nordkorea spielt man aggressiv mit Atomwaffen herum, als wären es Feuerwerkskörper. Die Syrer fragt keiner, ob sie sich Bomben von Assad und Panzer aus der Türkei wünschen. Ihr Kriegstreiber geht nach hause und lasst die Welt in Frieden. Nein, ich will keinen Krieg.

Kommentar zur Bundestagswahl von kulturmd / Salka Schallenberg „Noch immer ist es zwar winterlich in Deutschland, doch ist die Hoffnung auf einen baldigen Frühling in den Köpfen der Menschen in Ost und West groß. Die Deutschen sollten ihre Chance nutzen, um endlich eins zu sein. „ Diese Gedanken hatte ich vor 22 Jahren 1995. Damals war ich kaum älter als meine Kinder jetzt. Die Hoffnung auf eine reformierte DDR war begraben, aber es galt in einem demokratischen Deutschland zu leben. Damals 1995 erlebte ich als junge Erwachsene rechte Gewalt gegen Ausländer, so 1994 in Magdeburg oder gegen Andersdenkende wie 1992 als Nazis eine Geburtstagsfeier von Punks stürmten. Nun 2017 sind zwei meiner Kinder Erstwähler des Deutschen Bundestags. Sie können frei wählen, mitbestimmen. Aber dann kommen Parolen auf, man solle, also auch diese jungen Erwachsenen, stolz sein auf die deutschen Soldaten der 2 großen Kriege. Die Urgroßväter meiner Kinder können unterschiedlicher nicht sein: ein junger Familienvater und Musiker, der in Stalingrad fiel; ein Kommunist und Künstler, der im KZ war und schwer krank den Krieg hinter sich ließ, der Urgroßvater, der als Kriegsversehrter wieder kam und bald starb und dann noch der Urgroßvater, der sich wegen des Vaters dem System beugen musste, als Hauptmann in Stalingrad war und nach dem Krieg seinem Leben selbst ein Ende setzte. Worauf sollen wir stolz sein? Gibt es da Traditionen? Kaum haben wir demokratisch gewählt, werden wir brutal geweckt und erleben eine rassistische Partei in unserem Bundestag. Von Demokratie keine Spur, da kündigt der Spitzenkandidat der Partei Herr Gauland an, die Bundesregierung "jagen" zu wollen, das Land zurückzuholen, mehr noch das Volk zurückzuholen. Jagen, zurückholen? Der Bürgermeister Ernst Reuter war hier in Magdeburg einer der Sozialdemokraten, die von den Nationalsozialisten nach deren Machtantritt aus den Rathäusern gejagt wurden. Ist es wieder soweit? Wollten das die Wähler dieser Partei wirklich? Nun heißt es, eine inhaltliche Auseinandersetzung mit dem neuen rauen Wind im Bundestag zu führen. Und vor allem Antisemitismus und völkisches Gedankengut nicht zu zu lassen. (26.09.17)

 

 
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