DDR-Geschichte

Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi

DDR Anfang der 1980er Jahre, Zeit des Wettrüstens, Zeit der Umweltverschmutzung und Zeit des politischen Aufbruchs der Opposition. In Dresden agiert ein Mail-Art-Netzwerk – Postkarten gedruckt von Jürgen Gottschalk, versendet in alle Welt – Kommunikation durch Kunst per Post. Für das Regime in der DDR eine Provokation. Schnell ist die Gruppe um den Grafiker Gottschalk im Visier der Stasi – der Operative Vorgang (OV) „Feind“. Jahrelange Bespitzelung, Berufsverbot, Ausreiseantrag, Haft und schließlich 1985 Ausreise mit Freikauf in die BRD – die Stationen eines zerstörten Lebens. Jürgen Gottschalk hat bereits 2006 im Rahmen der Schriftenreihe des Sächsischen Landesbeauftragten zur Aufarbeitung der SED-Diktatur seine Geschichte veröffentlicht. Ein erster Schritt sich der Vergangenheit zu stellen, das Erlebte zu verarbeiten.
Nun über 10 Jahre später ist es 2019 an der Zeit, das Buch „Druckstellen. Die Zerstörung einer Dresdner Künstler-Biographie durch die Stasi“ in überarbeiteter Form neu aufzulegen. Erschienen  in der Evangelischen Verlagsanstalt.
Es gab vieles, was noch nicht erzählt war, auch ein Rückblick war jetzt wichtig. Zum einen finden sich nun in dem Buch einige ausgewählte Mail-Art Abbildungen, um das, was für die Stasi eine Provokation war, visuell zu untermauern. Andererseits ist der Operative Vorgang (OV) „Feind“ nicht nur auf unzähligen Seiten der Stasi-Akte von Jürgen Gottschalk dokumentiert. Sogar eine Diplomarbeit hat Gottschalks „Stasi-Offizier“ über die „Zersetzung“ der der Mail-Art Künstler verfasst. Im aktuellen Buch findet sich Anhang die gesamte Diplomarbeit zum nachlesen. Auch wenn der Abdruck doch eine recht kleine Schrift hat. Mit dem 2017 von Dr. Nancy Aris, stellvertretende Landesbeauftragte zur Aufarbeitung der SED-Diktatur in Sachsen, geführten Interview erfährt der Leser noch mehr über den Autor. Aber auch Jürgen Gottschalk selbst wirft noch einmal einen Blick zurück. Kritisch reflektiert er, die Zeit der politischen Verfolgung in der DDR und des Ankommens im Westen – seine Zeit und die der DDR-Bürger nach 1990. Jürgen Gottschalk resümiert hierzu: „Zwischen dem Wegducken vor der Verantwortung  für das eigene Tun und dem übereifrigen Anpassen an die neuen Verhältnisse polarisierte sich eine Gesellschaft, die nie eine Chance bekam, die eigenen Träume auszuprobieren...“ Und es ist dem Autor wichtig „dass gerade auch junge Leute mental da hinkommen, sich nicht alles bieten zu lassen, die Missstände der Zeit nicht als gottgegeben hinzunehmen, kein willenloser Mitläufer, sondern Sand im Getriebe zu sein...“ Mit dem Buch zeigt sich einmal mehr, wie wichtig es ist, die gewonnene Freiheit jeden Tag aufs Neue zu verteidigen.  

Am 17. Juni 1953 gingen in der DDR Hunderttausende auf die Straße. Sie forderten neben dem Rücktritt von SED-Chef Walter Ulbricht u.a. freie Wahlen und die Wiederherstellung der Einheit Deutschlands.
Die Staatsmacht reagiert mit Gewalt. Auch in Magdeburg schlug die sowjetische Besatzungsmacht den Volksaufstand mit Waffengewalt nieder. Tote und Verletzte waren zu beklagen.

Noch bis zum 2. Juli 2019 präsentiert die Gedenkstätte Moritzplatz Magdeburg in ihren Räumen die Sonderausstellung „Magdeburg 17. Juni 1953“.
Die von der Gedenkstätte im vorigen Jahr mit finanzieller Unterstützung der Landeshauptstadt Magdeburg neu erarbeitete Wanderausstellung vermittelt Informationen über die politische und gesellschaftliche Situation Anfang der 1950er Jahre in der DDR die am 17. Juni 1953 in landesweiten Aufständen, Streiks und Demonstrationen mündeten.

Erinnerungen an Ibrahim Böhme

Die Autorin Tatjana Böhme-Mehner öffnet mit ihrem Buch „Warten auf den Vater. Erinnerungen an Ibrahim Böhme“ ein Kapitel vielleicht längst vergessener deutsch-deutscher Geschichte.


Geboren 1976 in der DDR-Provinz, in einem Land, „das es 13 Jahre später nicht mehr geben sollte.“, wie Tatjana Böhme-Mehner schreibt. Es ist aber auch das Jahr der Biermann-Ausbürgerung und ein Jahr später verlässt der systemkritische Schriftsteller Reiner Kunze die DDR. All das prägt die Kindheit der Autorin und mittendrin ist ihr Vater Manfred, später Ibrahim, Böhme. Auch einer, der zu den Anhängern Biermanns und Kunzes gehört, so glauben viele in der Stadt Greiz. Die Autorin versucht sich auf sensible Art und Weise ihrem Vater zu nähern. Aber es ist immer wieder das Warten auf den Vater oder das „Etwas-herbei-Warten“, wie Tatjana Böhme-Mehner resümiert, dass sich wie ein roter Faden durch ihre Kindheit zieht. Ihr Vater ist mal da, mal nicht. Aber umso intensiver erlebt die Tochter die Momente, als ihr Vater sie von der Schule abholt oder wegen Krankheit länger zu Hause bleibt als sonst.


Als die Mauer 1989 fällt, steht ihr Vater als Ibrahim Böhme plötzlich im politischen Mittelpunkt der Geschehnisse in der untergehenden DDR. Für die Autorin, damals erst 13 Jahre alt, eine völlig neue Situation. Als ihr Vater als Stasi Spitzel enttarnt wird, sind die Geschehnisse etwas, was sich nicht einfach so verarbeiten lässt. Die Tochter versucht sich in den 1990er Jahren ihrem Vater, der zurückgezogen lebt, wieder zu nähern. „Ein kleines Ende war seither jede unserer Begegnungen gewesen. Im freien Fall von der Lichtgestalt zum enttarnten Spitzel – ich war beiden gegenüber skeptisch.“ schreibt die Autorin in ihrem Buch dazu. Als Ibrahim Böhme Ende 1999 stirbt, hinterlässt er bei seiner Tochter so viele offene Fragen. Wer war dieser Mensch, fragt sie sich „Manfred oder Ibrahim? Dissident oder gemeiner Stasi-Spitzel? Weltflüchter oder Realist? Arbeiter oder Intellektueller? Tragischer Held oder Clown? Ich bin mir nicht sicher.“


Das Buch, erschienen im EUROPA Verlag, reflektiert den Alltag in der DDR. Es zeigt Lebenswege auf, in denen schnell persönliche Grenzen überschritten werden konnten. Immer war das Streben nach Selbstverwirklichung eine Gratwanderung, für die, die den Weg gingen, aber auch für ihr persönliches Umfeld.

Burkhart Veigel und Roswitha Quadflieg „Frei“, Europa Verlag 2018

„Frei“, so der Titel des Romans, der im Sommer 2018 auf meinem Schreibtisch lag.
Im Mittelpunkt der Geschichte Janus Emmeran, Ort des Geschehens Berlin. Anfang der 1960er Jahre studiert Janus im westlichen Teil der Stadt, der Teil, in dem die Amerikaner die militärische Kontrolle über die Deutschen hatten. Nach der Teilung Berlins am 13. August 1961 werden Janus und seine Kommilitonen schnell zu Fluchthelfern. Die Autoren erzählen die Ereignisse aus Sicht des Protagonisten, eingebettet in die politischen Ereignisse der damaligen Zeit. Nichts wird beschönigt. Freiheit unter allen Umständen ist das Ziel.

Aufbruch 1989

Zum Jahrestag finden eine Vielzahl von Veranstaltungen statt. Der Zeitraum ist genau ein Jahr lang. Er endet mit dem Datum der letzten Volkskammerwahl  in der DDR. Dies Wahl war gleichzeitig die und freie Wahl in der DDR. Zahlreiche Institutionen, Kultur- und Bildungseinrichtungen sind an der Vorbereitung beteiligt.
Bis jetzt stehen ca. 30 Veranstaltungen schon fest.  Weitere sind in Planung.


Reflektion: Welche Ideen hatte man damals? Was ist davon übrig geblieben. Was haben wir alle bei der friedlichen Revolution gewonnen? Und was verloren?

Der offizielle Start ist im Juni mit der Ausstellung Lagebericht 89. Im Dokumentationszentrum am Moritzhof. Beim Thema Umbrüche geht es um Ostfrauen, die die Republik verändern. Die Lesung findet am 21. Mai statt. Referenten sind Tanja Brandes und Marcus Decker.

Im Juni bietet die Stadtbibliothek eine Lesung zum Thema: Die Grüne Grenze.
In der Gedenkstätte Moritzplatz wird im Juli die Ausstellung SED, wenn Du nicht gehst, dann gehen wir gezeigt.
Dieter Müller fotografierte bei den Montagsdemonstrationen im Herbst 1989 in Magdeburg. Die eingefangene Stimmung kann man ab August im Kulturzentrum Moritzplatz erleben.

Im Oktober wird es die Ausstellung Herbst 89 geben. Damit will man an den Mut der Bürger im Herbst 1989 erinnern.

weitere Informationen
Tel 0391 6271 2210
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Tel 0391 2445 5920
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Ein Roman über Fluchthelfer

 

„Frei“, so der Titel des Romans, der im Sommer 2018 auf meinem Schreibtisch lag.
Im Mittelpunkt der Geschichte Janus Emmeran, Ort des Geschehens Berlin. Anfang der 1960er Jahre studiert Janus im westlichen Teil der Stadt, der Teil, in dem die Amerikaner die militärische Kontrolle über die Deutschen hatten. Nach der Teilung Berlins am 13. August 1961 werden Janus und seine Kommilitonen schnell zu Fluchthelfern. Die Autoren erzählen die Ereignisse aus Sicht des Protagonisten, eingebettet in die politischen Ereignisse der damaligen Zeit. Nichts wird beschönigt. Freiheit unter allen Umständen ist das Ziel.
Das Erlebte in den 1960er Jahren reiht sich ein in das Deutschland 2016 und so erfährt der Leser die Geschichte von Janus aus zwei Perspektiven. Mit der Rückblende geht es aber auch um Janus im Hier und Jetzt, ein Mann Mitte 70.
Der Autor Burkhart Veigel war selbst als Student der Freien Universität in West-Berlin mitten im Geschehen. Als Fluchthelfer hat er zusammen mit seinen Freunden von 1961 bis 1970 etwa 650 Bürger der DDR in den Westen geholt, vor allem mit Pässen, „aber auch mit einigen umgebauten Autos und über einen freiheitsliebenden französischen Alliierten-Soldaten.“, wie Burkhart Veigel auf seiner Webseite www.fluchthilfe.de schreibt. Und alles ganz im Sinne von Hans Scholl, der sagte „Nicht: Es muss etwas geschehen! Sondern: Ich muss etwas tun!“ - die Autoren wählten es als Leitzitat für ihr Buch.
Die gesamte innerdeutsche Grenze umfasste ca. 1.393 Kilometer. Kontrollstreifen, Minenfelder, Wachtürme, Gräben, Hundelaufanlagen und Selbstschussautomaten perfektionierten die Mauer, überwacht durch die Grenztruppen der DDR mit insgesamt ca. 47.000 Mann. Zahlreiche Menschen aus der DDR starben bei Fluchtversuchen an der Berliner Mauer, in der Ostsee und Elbe und an der innerdeutschen Grenze. Andere wiederum wurden verhaftet und eingesperrt. Aber es gab auch die, die wie Burkhart Veigel ihr eigenes Leben aufs Spiel setzten und alles dafür taten, dass Menschen aus der DDR ihren Weg in die Freiheit gehen konnten. Ein Teil unserer deutschen Geschichte, der erzählt werden muss und in Erinnerung bleiben muss.

 

31.01.19. Wie lebt es sich in einem Doppelland? Der Autor Reinhard Kuhnert nimmt seine Leser mit auf eine Zeitreise zurück in die DDR. In den 1980er Jahren erlebt der Protagonist Elias Effert als Autor am Theater zunehmend die Macht des Staates bis zu völligen Ausgrenzung als stumme Zuschauer bestellt in der Premiere seines Stücks im Theater sitzen. Ein Schritt muss gegangen werden, der schwer fällt. Das Land hinter sich lassen, halb fliehend, halb vertrieben kommt Elias nach einer Fahrt mit der S-Bahn von Ost- nach West-Berlin in der Bundesrepublik an. Der Autor Reinhard Kuhnert lässt den Leser spüren und erfahren, wie unterschiedlich die Menschen in Ost und West sind. Nur zögerlich kann Effert als Autor Fuß fassen. Kaum angekommen, fällt die Mauer und eine neue Suche nach dem Platz in der Gesellschaft beginnt.

Reinhard Kuhnert verwebt seine Geschichte um die Figur Elias Effert Stück für Stück mit seiner eigenen Biografie. Mit jeder Seite mehr spürt man, wie es sich anfühlt in fremder Nähe zu sein. Und so ist der Buchtitel sehr treffend.
Aber auch wenn Kuhnert, Effert und all die anderen Akteure aus der Kultur ihr Land hinter sich lassen mussten, dass fremd gewordene Land ist trotzdem so nah geblieben. Von daher muss diese Generation einfach ihre Geschichte erzählen. Es sind keine stummen Zeugen eines verschwundenen Landes. Sondern die, die uns immer wieder in Erinnerung rufen, wie wichtig Freiheit im denken und handeln ist.

 

Resonanz:

Am Do., 14. Feb. 2019 um 22:05 Uhr schrieb Barbara Miklaw <Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!>:

Liebe Frau Schallenberg,

auch von mir ein großes Dankeschön für Ihre großartige Buchbesprechung bei kulturmd!! Sehr, sehr schön, sehr sympathisch, fundiert, auf dem Punkt. Bei der Gelegenheit habe ich Ihren Kanal kulturmd gründlich erkundet und bin sehr beeindruckt, wie interessant und professionell  Sie arbeiten – meine Hochachtung.

Ich freue mich auf ein Treffen und Kennenlernen in Leipzig und grüße Sie sehr herzlich -

Barbara Miklaw Mirabilis Verlag

Roland Berbig - Auslaufmodell "DDR-Literatur"

Roland Berbig, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, hat im Christoph Links Verlag zum Thema Forschungen zur DDR-Gesellschaft das Buch „Auslaufmodell „DDR-Literatur“ im März 2018 herausgebracht. Das Buch knüpft an die Ausführungen der Dokumentation „Stille Post Inoffizielle Schriftstellerkontakte zwischen West und Ost“, erschienen 2005, an. Diesmal stehen die Literaten aus der DDR im Fokus seiner Analyse. Wie ist der Begriff „DDR-Literatur“ zu fassen? Die DDR, 1949 gegründet, war ein neues Staatengebilde nach der langen Zeit des Krieges. Von daher finden hier viele sozialistisch gesinnte Menschen ihre Heimat. Wie sich später der Sozialismus ausgestaltet, wird sich zeigen. Von daher vereint die Literatur in der DDR Schriftsteller verschiedener Generationen mit zahlreichen Lebenserfahrungen. Von Bertolt Brecht und Johannes R. Becher über Peter Huchel über Helga M. Nowak und Thomas Brasch bis hin zu Bert Papenfuß und Uwe Kolbe. Der Autor Roland Berbig zeigt dies eindrucksvoll und authentisch mit Briefen und Essays auf. Dies ergibt ein sehr intimes und offenes Bild über die Literaten in der DDR. Der Germanist geht aber noch weiter und spricht die Schriftsteller direkt mit 3 kurzen Fragen per Brief an. Er nutzt das nicht nur als Quelle für seine Ausführungen, er lässt den Leser seines Buchs sich selbst ein Bild machen, indem er den Briefverkehr in Auszügen veröffentlicht. Sehr gut gefallen hat mir persönlich, dass die Dokumentation ein Projekt ist, dass Roland Berbig mit einer studentischen Forschungsgruppe umgesetzt hat. So erhält dieses Buch nochmal einen ganz frischen Blick von einer Generation, die die Zeit der DDR aus einer ganz anderen Perspektive sieht. Alles in allem ein wichtiges Buch, um das untergegangene Land DDR nicht endgültig zu vergessen. Es hat auch bleibende Werte, wie die Literaten aus dieser Zeit, hinterlassen.

 

Die Friedliche Revolution liegt 30 Jahre zurück. Zeit, sich daran zu erinnern. Die Gedenkestätte in Marienborn gibt einen umfassenden Einblick in die Deutsche Teilung.

29.01.19. In diesem Jahr ist die friedliche Revolution 30 Jahre her. Es gibt genug Grund zum feiern, weil danach die Mauer fiel und Europa zusammen wuchs. Aber es gibt auch genug Grund zur Sorge, weil  etwa die Briten die Europäische Union verlassen wollen und damit das Europäische Wertesystem auf den Kopf stellen oder weil sich die Feinde der Demokratie daran machen, die EU zu zerstören. Beide Gedanken sollten einem bewegen, wenn man die Gedenkstätte Marienborn besucht. Unser Film will darin erinnern, daß das heutige Europa sehr viel mit dem Verschwinden der Innerdeutschen Grenze zu tun hat.

 

Roland Berbig - Auslaufmodell "DDR-Literatur"

 

Roland Berbig - Auslaufmodell "DDR-Literatur"

Roland Berbig, Professor für Neuere deutsche Literatur an der Humboldt-Universität zu Berlin, hat im Christoph Links Verlag zum Thema Forschungen zur DDR-Gesellschaft das Buch „Auslaufmodell „DDR-Literatur“ im März 2018 herausgebracht. Das Buch knüpft an die Ausführungen der Dokumentation „Stille Post Inoffizielle Schriftstellerdkontakte zwischen West und Ost“, erschienen 2005, an. Diesmal stehen die Literaten aus der DDR im Fokus seiner Analyse. Wie ist der Begriff „DDR-Literatur“ zu fassen? Die DDR, 1949 gegründet, war ein neues Staatengebilde nach der langen Zeit des Krieges. Von daher finden hier viele sozialistisch gesinnte Menschen ihre Heimat. Wie sich später der Sozialismus ausgestaltet, wird sich zeigen. Von daher vereint die Literatur in der DDR Schriftsteller verschiedener Generationen mit zahlreichen Lebenserfahrungen. Von Bertolt Brecht und Johannes R. Becher über Peter Huchel über Helga M. Nowak und Thomas Brasch bis hin zu Bert Papenfuß und Uwe Kolbe. Der Autor Roland Berbig zeigt dies eindrucksvoll und authentisch mit Briefen und Essays auf. Dies ergibt ein sehr intimes und offenes Bild über die Literaten in der DDR. Der Germanist geht aber noch weiter und spricht die Schriftsteller direkt mit 3 kurzen Fragen per Brief an. Er nutzt das nicht nur als Quelle für seine Ausführungen, er lässt den Leser seines Buchs sich selbst ein Bild machen, indem er den Briefverkehr in Auszügen veröffentlicht. Sehr gut gefallen hat mir persönlich, dass die Dokumentation ein Projekt ist, dass Roland Berbig mit einer studentischen Forschungsgruppe umgesetzt hat. So erhält dieses Buch nochmal einen ganz frischen Blick von einer Generation, die die Zeit der DDR aus einer ganz anderen Perspektive sieht. Alles in allem ein wichtiges Buch, um das untergegangene Land DDR nicht endgültig zu vergessen. Es hat auch bleibende Werte, wie die Literaten aus dieser Zeit, hinterlassen.

zum Interview: Roland Berbig - Auslaufmodell "DDR-Literatur"

 
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